Kerninflation September 2021 = 2,9% (August 2021 = 2,8%) – aktuelle Kerninflationsrate Deutschland und Eurozone

Zuletzt geändert: 13. Oktober 2021

Was ist Kerninflation?Es existieren verschiedene Methoden Änderungen von Verbraucherpreisen zu messen und zu berechnen. Prinzipiell geht es dabei immer darum, Preisänderungen von Waren und Dienstleistungen zu erfassen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Energieprodukte wie Benzin und Öl, aber auch Nahrungsmittel sehr volatil sind und die Inflationsraten besonders beeinflussen. Um diese Einflüsse auszuschließen wurde das Konzept der Kerninflation entwickelt.
In der Öffentlichkeit ist der Verbraucherpreisindex die wichtigste Bezugsgröße, die vom Statistischen Bundesamt monatlich erhoben wird und auch in den Medien jeweils ausführlich analysiert wird. Für die EZB spielt bei der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung die Core Inflation (Kerninflation) eine wichtige Rolle.

Kerninflation Deutschland im September 2021 = 2,9%
Core Inflation* Euroraum September 2021 = 1,9%

(* Gesamtindex HVPI (Gesamtindex HVP ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak. Quelle: ec.europa.eu)

Kerninflation USA September 2021 = 4,0% (August 2021 4,0%, Juli = 4,3%)

Die Entwicklung der Inflation und Kerninflation seit 2006 ist in der Abbildung 1 dargestellt (für die Kerninflationsrate erfolgt vom Statistischen Bundesamt keine Vorabschätzung).

Entwicklung der Inflationsrate und der Kerninflationsrate (ohne Berücksichtigung von Energie- und Nahrungsmittelpreise) in Deutschland

Abb. 1: Entwicklung von Inflation und Kerninflation (Inflationsrate ohne Nahrungsmittel und Energie) in Deutschland von 2006 – September 2021. Revision von 2/2019 berücksichtigt! Datenquelle: destatis.de

Aus der Abbildung 1 wird deutlich:
Aktuell ist die Kerninflation zwar niedriger als die Inflation, erreicht aber im August 2021 mit 2,8% den höchsten Wert seit 2006. Sie schwankt deutlich weniger als die Inflationsrate, da bei der Berechnung die Preisentwicklung von Energie und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt wird. Insbesondere der Ölpreis zeigt in den letzten Jahren sehr große Schwankungen. Die Kerninflation beträgt im August 2021 2,8% und liegt damit, coronabedingt, über dem langjährigen Mittel von 1,2% (Zeitraum 01.01.2006 – 31.07.2020). Die EZB hat für die Kerninflation den Zielbereich von 2% festgesetzt („symmetrisches mittelfristiges Inflationsziel von 2 % „, eine leicht über dem Zielwert liegende Verbraucherpreisänderung ist möglich. Quelle: EZB)
Dem deutschen Verbraucher ist das herzlich egal: Für Ihn zählt die Kaufkraft seines Geldes und die nimmt seit 2015 leider ab.

Die Definition von Kerninflation ist die Inflationsrate ohne den Beitrag von Energie und Nahrungsmittel. Der Begriff stammt von dem deutschen Ökonom Otto Eckstein (1981).

Kerninflationsraten in Deutschland

In den folgenden Tabellen sind die Daten für verschiedene Jahre jeweils für einzelne Monate angegeben.

Tab. 1: Kerninflation Deutschland 2021

 

Monat 2021 Kerninflationsrate in %
Januar 1,4
Februar 1,4
März 1,4
April 1,3
Mai 1,9
Juni 1,8
Juli 2,7
August 2,8
September 2,9

2020

Monat 2020 Kerninflationsrate in %
Januar 1,7
Februar 1,7
März 1,4
April 0,8
Mai 0,6
Juni 0,9
Juli -0,1
August 0
September -0,2
Oktober -0,2
November -0,3
Dezember -0,3

2019

Monat 2019 Kerninflationsrate in %
Januar 1,3
Februar 1,4
März 1,1
April 1,8
Mai 1,2
Juni 1,7
Juli 1,6
August 1,5
September 1,6
Oktober 1,6
November 1,7
Dezember 1,8

Prognosen

Hier werden Prognosen verschiedener Organisationen vorgestellt.

EZB (Core HICP inflation forecasts) zur HVPI-Inflation

Die bedeutendste Schätzung der Kerninflation ist die der Professionellen Prognostiker der Europäischen Zentralbank (ECB Survey of Professional Forecasters) EZB Forecaster.

Die Prognose der Professional Forecasters vom 1. Quartal 2021 ist in der Tabelle 1 angegeben.

Tab. 1: Prognose der Kerninflation für den Euroraum von 2021 – 2026. Quelle: www.ecb.europa.eu

Prognose von für 2021 2022 2023 2026
2021 Q1 0,8% 1% 1,2% 1,5%

Demnach erwarten die Prognostiker einen kontinuierlichen Anstieg der Core Inflation in den nächsten Jahren, von 0,8% in 2021 auf 1,0% in 2022 und 1,5% in 2026.

Berechnung

Wie wird die Kerninflation berechnet? Dazu wird der aktuelle Gesamtverbraucherpreis (Monat X) ohne Energie und Nahrungsmittel durch den Gesamtverbraucherpreis (Monat X) ohne Energie und Nahrungsmittel des Vorjahresmonats dividiert und mit 100 multipliziert. Durch Subtraktion von -100 ergibt sich die Kerninflationsrate des Monats x.

Formel

Die Formel zur Berechnung der Kerninflation lautet:

[(aktueller Verbraucherpreisindex ohne Energie und Nahrungsmittel / Verbraucherpreisindex ohne Energie und Nahrungsmittel Vorjahresmonat) • 100] – 100

Euroraum

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindizes Gesamtindex (HVPI) ohne Energie und nichtverarbeitete Nahrungsmittel eines Monats im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die aktuelle Kerninflationsrate im Euroraum. In der folgenden Tabelle sind die Werte für 2021 angegeben.

Kerninflation Euroraum 2021. Quelle: Eurostat

Monat 2021 Kerninflationsrate in %
Januar 1,4
Februar 1,2
März 1,0
April 0,8
Mai 0,8
Juni 0,9
Juli 0,9

HVPIs sind für internationale Vergleiche der Verbraucherpreisinflation konzipiert. Der Index wird zur Bewertung des Inflationskonvergenzkriteriums gemäß Artikel 121 des Vertrags von Amsterdam und von der EZB zur Bewertung der Preisstabilität für geldpolitische Zwecke verwendet. Die EZB definiert Preisstabilität auf der Grundlage der Jahresänderungsrate des HVPI des Euro-Währungsgebiets.

Die HVPI werden auf der Grundlage harmonisierter Normen erstellt, die für alle Mitgliedstaaten verbindlich sind. Vom Konzept her handelt es sich beim HVPI um Preisindizes vom Typ Laspeyres und werden als jährliche Kettenindizes berechnet, die jedes Jahr wechselnde Gewichtungen berücksichtigen.

Der HVPI wird auf der Grundlage der ECOICOP-HVPI-Klassifikation nach Verbrauchsausgaben aufgeschlüsselt.
HVPI werden unter Verwendung eines gemeinsamen Indexbezugszeitraums (2015 = 100) erstellt und veröffentlicht. Wachstumsraten werden aus veröffentlichten Indexständen berechnet.
Indizes sowie sowohl Wachstumsraten zum Vormonat (M/M-1) als auch zum entsprechenden Vorjahresmonat (M/M-12) sind weder kalender- noch saisonbereinigt.

Länder

In der folgenden Tabelle ist die Kerninflation im Juni 2021 für verschiedene Länder angegeben. Quelle: Eurostat.

Land/Raum Kerninflation [%], Juni 2021
Euroraum 0,2
Europäischer Wirtschaftsraum 0,2
Belgien 0,2
Bulgarien 0,1
Tschechien 0,4
Dänemark 0,0
Deutschland 0,4
Estland 0,6
Irland 0,1
Griechenland 0,8
Spanien 0,1
Frankreich 0,2
Kroatien 0,4
Italien 0,2
Zypern 0,9
Lettland 0,5
Litauen 0,7
Luxemburg 0,1
Ungarn 0,6
Malta 1,5
Niederlande 0,0
Österreich 0,2
Polen 0,3
Portugal 0,0
Rumänien 0,2
Slowenien 0,4
Slowakei 0,3
Finnland 0,0
Schweden 0,0
Island 2,0
Norwegen 0,4
Schweiz -0,1
Nordmazedonien 0,7
Serbien 0,5
Türkei 2,2

Beachtenswert ist der Unterschied der Kerninflation für Juni zwischen den Datenbanken des Statistischen Bundesamtes (1,9%) und Eurostat (0,4%) für Juni 2021 für Deutschland. Bezug Destatis: Verbraucherpreisindex, Eurostat HVPI.

Kerninflation USA

Die aktuelle Kerninflation (CPI ohne Energie und Nahrungsmittel) für September 2021 4,0%, nach 4,0% im August, 4,3% im Juli. Im Juni 2021 wurde mit 4,5% sogar ein Höchstwert erreicht. Im Detail stieg der Index für die Energie in den letzten 12 Monaten um 24,8 Prozent, der Nahrungsmittelindex stieg in im Verglich zum Vorjahresmonat um 3,4 Prozent (Quelle: www.bls.gov).
Bis zum Jahresende gehen die Prognosen der meisten Ökonomen von weiter hohen Verbraucherpreisen aus.

US Kerninflation 2021. Quelle: www.bls.gov

Monat 2021 Kerninflationsrate in %
Januar 1,4
Februar 1,3
März 1,6
April 3,0
Mai 3,8
Juni 4,5
Juli 4,3
August 4,0
September 4,0
Oktober 0,9

Hintergründe

Die Entwicklung des theoretischen Konzepts der Kerninflation ist in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begründet.
Mit der Berechnung der Verbraucherpreisen ohne Nahrungsmittel und Energie wurde versucht, bestimmte Komponenten auszuschließen, die großen relativen Preisänderungen unterliegen. Der Grund dafür ist, dass ungewöhnliche Veränderungen wie der Anstieg der Energiepreise um 14,2 Prozent oder der Anstieg der Tabakpreise um 18 Prozent in 1998 wahrscheinlich nicht mit dem zugrunde liegenden Trend der VPI-Inflation zusammenhängen.

Die Geldbehörden befassen sich nicht mit jeder Preisschwankung. Sie konzentrieren sich vielmehr auf den zugrunde liegenden Trend. Die Kerninflation entspricht fiktiv diesem allgemeinen Inflationstrend. Eine Möglichkeit zur Definition der Kerninflation besteht im Kontext der Quantitätstheorie des Geldes, bei der der allgemeine Inflationstrend der Inflation entspricht, die infolge einer Währungsstörung entsteht.

Friedman (1969) zitierte in Bryan und Pike (1991), dass es normalerweise zwei verschiedene Erklärungen für Preisbewegungen gibt. „Allen Störungen gemeinsam ist, dass die Preisbewegungen Änderungen der Geldmenge widerspiegeln … Die andere Erklärung betraf einige besondere Umstände des jeweiligen Anlasses: gute oder schlechte Ernten; Störungen im internationalen Handel; und so weiter in großer Vielfalt. “

In dem Maße, in dem diese besonderen Umstände zu Verschiebungen der relativen Preise führen, werden die entsprechenden Preisbewegungen vorübergehende Schwankungen der Inflationsrate darstellen. Ihre vorübergehende Natur deutet darauf hin, dass sie für politische Entscheidungsträger nicht von primärem Interesse wären. Darüber hinaus werden diese Preisänderungen nicht dauerhaft in den zugrunde liegenden Inflationsprozess einbezogen, es sei denn, es gibt eine Änderung der Geldpolitik, die Änderungen der Inflationserwartungen aufgrund des Schocks Rechnung trägt. Aus politischen Gründen konzentrieren sich die Währungsbehörden daher auf die anhaltenden Trends in Inflation. Um diese Trends zu erfassen, werden Messungen der Kerninflation verwendet. Insofern kann die Kerninflation als Maß für die Inflation angesehen werden, die das Ergebnis der Politik ist. Quelle: bis.org

Literatur

Clark T., 2001: Comparing measures of core inflation. Economic Review, Federal Reserve Bank of Kansas City, vol. 86(Q II), pages 5-31.. Text

Core HICP inflation forecasts – EZB

Eckstein O., 1981: Core Inflation. Prentice-Hall.

Fang  X., Liu Y., Roussanov N., 2021: Getting to the Core: Inflation Risks Within and Across Asset Classes. Jacobs Levy Equity Management Center for Quantitative Financial Research Paper. SSRN

Kerninflationsraten in der Schweiz 2020 – Schweizerische Nationalbank Zürich. Text

Quah, D. and S.P. Vahey (1995), “Measuring Core Inflation”, Economic Journal 105, 1130-1144. PDF

Residual Seasonality in Core Consumer Price Inflation: An Update – FED

Rich R., Steindel C., 2005: A review of core inflation and an evaluation of itsmeasures. Federal Reserve Bank of New York. Link

 

News

13.09.2021 Nouriel Roubini: „Bemerkenswert ist, dass verschiedene Inflationsmaße nicht nur deutlich über dem Zielwert liegen, sondern auch zunehmend hartnäckig sind. In den USA beispielsweise dürfte die Kerninflation, die die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise ausklammert, bis zum Jahresende immer noch nahe 4 % liegen. Auch die Makropolitik wird wahrscheinlich locker bleiben, gemessen an den Konjunkturplänen der Biden-Regierung und der Wahrscheinlichkeit, dass schwache Volkswirtschaften der Eurozone auch 2022 hohe Haushaltsdefizite aufweisen werden. Und die Europäische Zentralbank und viele andere Zentralbanken der fortgeschrittenen Volkswirtschaften bleiben voll und ganz engagiert unkonventionelle Politik viel länger fortzusetzen“ Quelle: www.project-syndicate.org

02.04.2021 Die Hans-Böckler-Stiftung schreibt unter „KEINE RÜCKKEHR DES SCHRECKGESPENSTES INFLATION“ Quelle: www.boeckler.de

„Die üblicherweise aufschlussreichere Kerninflationsrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak liegt mit 1,4 % im Januar bzw. 1,1 % im Februar 2021 höher, überzeichnet aber die Grunddynamik wegen des deutschen Mehrwertsteuereffekts und der pandemiebedingten Preissteigerungen bei Dienstleistungen. Die Kerninflation im Euroraum liegt bereits seit dem Jahre 2008 deutlich unter dem Inflationsziel der EZB und seit Anfang 2014 sogar nur bei durchschnittlich 0,9 %. Diese zu geringe Grunddynamik der Inflation spiegelt eine deutliche Unterauslastung der Wirtschaft wider und dürfte sich infolge des massiven Wirtschaftseinbruchs im vergange-nen Jahr noch weiter abgeschwächt haben.“

24.09.2018  Mario Draghi, Präsident der EZB, im ECON-Ausschuss des Europäischen Parlaments, Brüssel, 24. September 2018
Draghi geht von einer Zunahme der Kerninflation in Europa aus und meint dazu:

Mit Blick auf die Zukunft dürften sich die jährlichen Inflationsraten des HVPI in den kommenden Monaten auf dem aktuellen Niveau bewegen und in jedem Jahr bis 2020 auf 1,7% steigen. Diese Entwicklung verbirgt einen nachlassenden Beitrag der nicht zur Kerninflation zählenden Komponenten des Allgemeinen Index und eine relativ kräftige Belebung der zugrunde liegenden Inflation. Angesichts dieser Dynamik sehen die Prognosen der EZB eine Inflation ohne Nahrungsmittel und Energie von 1,8% im Jahr 2020 vor.

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Literatur

Carlomagno G., Fornero J., Sansone A., 2021: Toward a general framework for constructing and evaluating core inflation measures. Banco Central Chile, N° 913 Abril 2021. Link