Inflationserwartungen als 5-Year, 5-Year forward inflation expectation rate u. break-even inflation rate

Zuletzt geändert: 13. November 2021

Inflationserwartungen - Ratgeber und ErklärungBörsianer kennen die Zusammenhänge von aktueller Kursentwicklung und Zukunftsaussichten eines Unternehmens. Kurstreibende Faktoren finden sich meist nicht in der Vergangenheit oder Gegenwart, sondern eher in positiven zukünftigen Entwicklungen. Das ist eingeschränkt auch bei der Entwicklung der Verbraucherpreise der Fall, zumindest was den Finanzmarkt und die Konsumenten betrifft:
Hier spielt die Inflationserwartung eine große Rolle. Deshalb ist deren Entwicklung, neben der der Kerninflation, für die globalen Notenbanken eine besonders wichtiger Faktor für geldpolitische Entscheidungen. Auch die sich am Markt einstellende Rendite für Anleihen, besonders für Staatsanleihen wird von den Inflationserwartungen stark beeinflußt.

Die Bundesbank schreibt dazu: „Insbesondere scheinen aber Inflationserwartungen für die tatsächliche Preisentwicklung bedeutend zu sein“

Die theoretische Begründung für diese Annahmen ist die folgende: Die Erwartungen an die zukünftige Preisentwicklung beeinflussen die momentanen Investitionsentscheidungen von Verbrauchern und Unternehmen erheblich und können so die künftige Inflation beeinflussen. Dabei werden die Inflationserwartungen wesentlich von der aktuellen Inflationsrate beeinflusst. Gehen Verbraucher von zukünftig höheren Verbraucherpreisen aus, werden Investitionen sprich Käufe vorgezogen.

Bestimmung der Inflationserwartung

Eine direkte Messung der Inflationserwartung ist nicht möglich, vielmehr wird sie indirekt ermittelt. Herangezogen werden die 5-Year, 5-Year Forward Inflationserwartung und die Break-even inflation rate.

US 5 Year 5 Year Forward Inflation Expectation Rate: Inflationsswaps in 5 Jahren über 5 Jahre USA

Ökonomen und Analysten ziehen für die Abschätzung der Inflationserwartung die in den USA erhobene 5-Year, 5-Year Forward Inflation Expectation Rate (T5YIFR) heran. Hier finden Sie die Daten zur USA Inflation.

Begriff/Erklärung: Die 5Y75Y Forward Inflation Expectation Rate gibt die Markterwartung für die mittlere Inflationsrate über den Fünfjahreszeitraum, der fünf Jahre nach dem Datum der Datenmeldung beginnt, also aktuell von 2026 – 2031 wieder.

Der Wert von T5YIFR wird täglich ermittelt und von der Federal Reserve Bank of St. Louis veröffentlicht. In der Abbildung 1 ist die Entwicklung der 5Y/5Y Forward Rate dargestellt.

Aktuelle 5Y/5Y Forward Inflation Expectation Rate am 12.11.2021 = 2,35%
5-Year, 5-Year Forward Inflation Expectation Rate, Percent, Daily, Not Seasonally Adjusted

Abb. 1: Entwicklung der 5-Year, 5-Year Forward Inflationserwartung in den USA von 2003 – 2021. Quelle: fred.stlouisfed.org

In der Tabelle 1 ist die monatliche US 5Y 5Y Inflationserwartung für 2021 in Zahlen angegeben.

Tab. 1: Monatliche 5Y/5Y Forward Inflation Expectation Rate USA 2021, nicht saisonbereinigt. Quelle: fred.stlouisfed.org

2021 5-Year, 5-Year Forward Inflation Expectation Rate
Januar 2,06%
Februar 2,05%
März 2,05%
April 2,17%
Mai 2,29%
Juni 2,22%
Juli 2,16%
August 2,20%
September 2,19%
Oktober 2,??%
November
Dezember

Berechnung

Die Berechnung der Datenreihe der 5Y/5Y Forward Inflation Expectation Rate erfolgt durch die Federal Reserve Bank of St. Louis mit den vom US-Finanzministerium veröffentlichten Zinsspreads-Daten zu Staatsanleihen nach der Formel:

(((((1+((BC_10YEAR-TC_10YEAR)/100))^10)/((1+((BC_5YEAR-TC_5YEAR)/100))^5))^0.2)-1)*100

wobei BC10_YEAR, TC_10YEAR, BC_5YEAR und TC_5YEAR die 10- und 5-jährigen nominalen und inflationsbereinigten Staatsanleihen sind (Quelle: fred.stlouisfed.org/series/T5YIFR).

5 Jahre 5 Jahre Inflationserwartung Euro-Raum (5J/5J Forewards Europa)

Der fünfjährige, 5 Jahres 5 Jahres Forward Inflation Swap ist ein wichtiger Marktindikator für die Inflationserwartungen in der Eurozone. Am 22.10.2021 ist die 5J75J Inflationserwartung erstmals seit sieben Jahren auf 2,0528% und damit über das Inflationsziel der EZB von 2% gestiegen (Quelle: reuters.com)

Break-even inflation rate (BEIR)

Ein weiteres Bestimmungsmaß ist die Break-even inflation rate. Nach der Fisher-Hypothese sollte die Spanne zwischen Nominal- und Realzinsen ein gutes Maß für die Inflationserwartungen sein. Reale Zinssätze können aus dem Preis von Real Return Bonds (RRBs) (inflationsindexierten Anleihen) abgeleitet werden, da sie den Anleger für die realisierte Inflation entschädigen und den realen Wert der Kuponzahlungen und des Kapitals garantieren. Nominalzinssätze aus konventionellen Anleihen entschädigen den Anleger für die beim Verkauf erwartete zukünftige Inflationsrate. Die Spanne zwischen Nominal- und Realzinsen wird allgemein als Break-even-Inflationsrate (BEIR) bezeichnet, weil es die Inflationsrate ist, die die Renditen beider Anleihentypen gleichsetzt.

Inflationserwartung private Haushalte

Die zweite Frage ist, ob marktbasierte Inflationserwartungen die tatsächlichen Inflationsergebnisse beeinflussen und sich selbst erfüllen können, indem sie gefährliche Zweitrundeneffekte auslösen (Tenreyo 2019).

Haushalte sind keine professionellen Prognostiker: Ein Nachteil vieler empirischer Arbeiten zur Rolle von Inflationserwartungen besteht darin, dass sie weitgehend davon ausgegangen sind, dass alle Erwartungsmaße austauschbar sind – dass davon ausgegangen werden kann, dass Haushalte und Unternehmen Erwartungen haben, die denen von professionellen Prognostikern oder Finanzmarktteilnehmern ähneln (Bernanke et al 2019).

Die Inflationserwartungen der privaten Haushalte dürfte für die Ausgabenentscheidungen der privaten Haushalte eine größere Rolle spielen als die Markterwartung. Wenn die Haushalte bei einem gegebenen Zinsniveau einen stärkeren Preisanstieg erwarten, erhöht dies ihren Anreiz, heute mehr auszugeben als zu sparen. Mit anderen Worten, höhere Inflationserwartungen werden den Realzins senken und den Konsum der privaten Haushalte ankurbeln. Der daraus resultierende Anstieg der Nachfrage im Verhältnis zum Angebot wird die Inflation tendenziell in die Höhe treiben.

Literatur

Bernanke, B., S., Kiley, M., T., Roberts, J.M., 2019: „Monetary Policy Strategies for a Low-Rate Environment,“ AEA Papers and Proceedings, American Economic Association, Vol. 109, pp. 421-426. Abstract.

Bundesbank 2/2020 – Wie Erwartungen von Haushalten und Unternehmen die Wirksamkeit von Zentralbankkommunikation beeinflussen können. Text.

Galí J., und M. Gertler (1999), Inflation dynamics: A structural econometric analysis, Journal of Monetary Eco-
nomics, 44(2), S. 195–222.

Tenreyo S., 2019: “Understanding inflation: expectations and reality”, Ronald Tress memorial lecture, Birkbeck University of London, 10 July. Link zum Text.

https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/forschung/erwartungsstudie/inflationserwartungen-849084

https://fred.stlouisfed.org/series/T5YIFR

https://www.ecb.europa.eu/pub/economic-bulletin/articles/2018/html/ecb.ebart201806_02.de.html

https://www.ecb.europa.eu/home/search/review/html/inflation-expectations.de.html

https://e-fundresearch.com/newscenter/195-bantleon/artikel/41735-inflationserwartungen-sind-noch-nicht-am-ziel

https://www.ifo.de/publikationen/2020/aufsatz-zeitschrift/ueber-die-drohende-entankerung-der-inflationserwartungen-der